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Geschichten und Erlebnisse mit dem Aero  
 
Aero 500 bei der zweiten Testfahrt an der Cote d'Azur (25.02.2017)
Gestern hatte ich ein wenig Zeit, mich um den Aero zu kümmern. Nun ist das Auto bereit für den großen Test von Antibes nach Saint Raphael am Meer entlang zu fahren. 50 Kilometer, aber lange Kilometer :-) und 50 Kilometer zurück. Es sind nicht viele Bergen aber viele, viele Kurven. Ich glaube, ich werde 2,5 Stunden brauchen. Und das selbe für die Rückkehr. Das Wetter soll schön sein und immer Sonne. Es ist ein großes Abenteuer den Aero das erste mal so lang zu fahren.

Am 25.02.2017 war es soweit:

Am 26.02.17 schickte mir Jean-Claude diese Fotos und schrieb folgendes dazu:
 Hurra, hurra !!!  Ich habe es geschafft! 115 "langen" Kilometer, zwei Pässe (245 m und 385 m), besondere Staus in Cannes und Saint Raphael-Frejus. 6 Stunden gefahren. (1x nachts).
Aero ist gut gefahren, hatte den 1. Gang nicht gebraucht (nur beim Stau). Die Strecke Antibes nach Saint Raphael am Meer entlang und der Rückweg am Land, die berühmte RN 7 (zwei Pässe). Das Wetter war wunderschön, immer die Sonne und kein Wind.
Am Abend war ich " todmüde "!

 
Aero 500 zum Mittagessen im Restaurant "Le Cabanon" an der Cote d'Azur (11/2016)

Unser Mitglied Jean-Claude unternahm im November die erste Ausfahrt nach Reparatur der gesamten Hinterachse und des Motors. Ziel war das Restaurant "Le Cabanon" in Antibes. Dort durfte der Aero zur Belohnung mit am Tisch Platz nehmen. Ein Glück, dass der Aero nicht so groß ist!.

Jean-Claude schrieb mir: "Es war eine super Atmosphäre im Restaurant und alles am Aero hat gut funktioniert. Da war ich erstaunt! Und auch auf dem Rückweg bergauf! Ich glaube daß einige Pferden wieder zurück in den Motor gekehrt sind. Das hat mir viel Lust gemacht und Energie gegeben. Das nächste Mal möchte ich an der Küste entlang nach Saint Raphael fahren ( und zurück! ), zusammen ca. 100km. Ja, jetzt bin ich mehr optimistisch." 

 
 

Zwei Aero 30 und ein Aero 500 bei der 30sten Elf-Städte Oldtimer Rallye in Friesland

Hier der Aero 30 Sport unseres Mitgliedes Berend Wijmenga aus NL bei der Rallye 2015

http://elfstedenoldtimerrally.nl

 

 

 

 


 


Bericht Juni 2011
Anmerkung der Redaktion: Opava (Troppau) ist auf der Karte im oberen Drittel mit gelben Punkt markiert.
 

 
Fluchtwagen von 1968 - Aero 662

Mit diesem Aero 662 flüchtete 1968 Herr Milan Jakubec aus der damaligen CSSR in die Schweiz. Dort wurde der Wagen für 1000 Franken verkauft. (Info und Foto von Dr. Georg Pollak)

 
Erlebnis mit dem Aero in Budweis um 1938

Lieber Herr Strauch, 

ich genoss wirklich Ihre Web-Seite. Es brachte Erinnerungen an meine Kindheit, als mein Vater Aero Autos vor dem Krieg in České Budějovice  (Budweis) verkaufte.

Ich bin im November 1948 mit meinen Eltern und meinem Bruder in Kanada als knapp 15 jähriger angekommen und seit dem Tod meines Vaters 1949 studierte, arbeitete und lebte ich ganz in Englisch. Demzufolge sind meine Versuche, Deutsch oder Tschechisch zu schreiben, nicht immer erfolgreich.

Ich habe irgendwo ein Bildchen (Foto) von meinem Vater mit seinem Aero 30 aus dem Jahr 1938. Wenn ich es finde, werde ich es Ihnen per e-mail zuschicken. 


Dies ist das Foto von Armand Sembera aus Kanada, dessen Vater (hier im Bild mit Sohn Gustav) eine Aero 30 Limousine fuhr.

Ein Erlebnis als vier- oder fünfjähriger aus Budweis. Ich fuhr mit dem Vater irgendwohin und es scheint mir (aber ich bin mir dessen nicht sicher), dass ich auf der linken Seite saß, denn 1938 fuhr man in der Tschechoslowakei noch links, und der Fahrer saß auf dem rechten Sitz. Vater erlaubte mir den Schalter für die Richtungsanzeiger zu betätigen, und dieses mal drehte ich ihn in die falsche Richtung, und zu meinem Unglück hielt uns ein Polizist an. Der Vater zeigte auf mich und sagte "er war's," worauf der Polizist seinen Kopf (mit dem Helm wie ihn die englischen Bobbies trugen) in mein Fenster steckte und mir drohend sagte: "Ty uličníku!"  Das Wort "uličník" (uličníku ist der Vokativ) ist von "ulice"  = Gasse abgeleitet und bedeutet so viel wie Gassenjunge;  Langenscheidt  übersetzt es auch als Lausbub. Ich habe dann eine lange Zeit viel Respekt  (Angst?) vor Polizisten gehabt.

Beste Grüße 

Armand Sembera
Manotick (Ottawa), Ontario
Kanada  
28.09.2010

 

Hecht der Landstrasse (ver)folgt Polizeistreifenwagen!

1989 setzte langsam Tauwetter in den frostigen Beziehungen zwischen Ost und West ein und so konnten wir an der Gedenkfahrt anlässlich der „30.000 km des B. Turek“ am 27. Mai 1989 in der goldenen Stadt Prag teilnehmen. Diese Veranstaltung gehörte zu den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestag der Aero-Wagenproduktion.

Ausgangspunkt der Veranstaltung war der Lorettaplatz in unmittelbarer Nähe der Prager Burg. Obwohl wir wussten, dass die Altstadt unterhalb der Prager Burg für den Straßenverkehr gesperrt ist, haben wir es trotzdem versucht mit unsern Aero einen Weg durch die Altstadt zum Lorettaplatz zu finden. Wir kamen nicht weit und wurden von einem Polizeistreifenwagen gestoppt. Nach der Frage wohin wir wollten, stellten wir uns dumm, was uns nicht schwer fiel, und stammelten „Lorettaplatz“.

Die Polizisten schauten sich gegenseitig an und gaben uns zu verstehen wir sollten ihnen folgen.

Wir wendeten mit dem Aero und folgten dem Streifenwagen zunächst durch „Alt-Prag“, als dann die Straßen breiter wurden fuhr der Polizeiwagen schneller, das Tempo wurde immer höher, wir fuhren weit über den was innerhalb der Stadt erlaubt war, doch dann tauchte vor uns eine rote Ampel auf – wird sie unsere wilde Fahrt stoppen – nein – der Streifenwagen schaltete das Blaulicht ein und es ertönte die Polizeisirene. Mit Höchstgeschwindigkeit ging es mit Polizeischutz über die Kreuzung bei rot – der Aero lief wie die Kugel aus dem Rohr.

Oben auf dem Lorettaplatz angekommen, stiegen die beiden Polizeibeamten aus, verbeugten sich vor dem Aero und verabschiedeten sich von uns mit einem zackigen Gruß.

Programmpunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten war die „Bergfahrt“.

Bei dieser Bergprüfung, musste die „Nerudergasse“ (uvoz Nerudova), Prags steilstes Straßenstück, zweimal mit möglichst gleicher Höchstgeschwindigkeit durchfahren werden.

Bei dieser „Bergfahrt“ wurde das nebenstehende Foto von Jaroslav Major geschossen.

 

Das nachfolgende Foto zeigt uns beim „Auftanken“ vor einem urigen Bierlokal auf der Prager Burg. Das Bier war so köstlich, dass wir begannen alles doppelt zu sehen.

Verfasser: Willfest Brücker

 

Adolf Hehn                                                                                                                                         2810 Verden / B, Veern Dick 44                                                                                                                                                                                   im Dezember 1979

Sehr geehrter Herr Brücker!

Mit einiger Verzögerung möchte ich Ihren Wunsch erfüllen und sende Ihnen eine Kopie von meinem Aero Kfz-Brief zu.
Ich hoffe, dass ich damit anderen Oldtimer Freunden helfen kann.

Allerdings hatte ich zur Abnahme meines Fahrzeuges derartige Unterlagen nicht dabei und ich hatte auch das Gefühl, dass die Abnahmeingenieure keinen Wert auf diese gelegt hätten.

Es ging den Herren einfach darum, dass das Fahrzeug den Vorschriften entspricht.

Vorab hatte ich versucht eine Ausnahmegenehmigung für die Bremsen (keine Vorderradbremsen!) zu bekommen. Zuerst habe ich an den Regierungspräsidenten in Stade geschrieben - Absage, dann an den Verkehrsminister in Hannover, nach angeblicher Rücksprache mit dem TÜV in Hannover – auch Absage.

Es hängt letztlich immer alles vom Prüfingenieur ab!

Der erste war zwar sehr freundlich, aber auch sehr genau und ich durfte mit ca. 14 Punkten nach Hause fahren.

Beim zweiten Mal bin ich mit einem Bekannten hingefahren, der war früher beim TÜV Rheinland. Er hatte sich sein TÜV-Schild angesteckt, das machte zwar Eindruck, aber war kein Freifahrschein. Auch nach längerer Diskussion bin ich mit 6 Punkten nach Hause gefahren.

Beim dritten Mal hatte ich einen, der machte den Eindruck, nun nimm mal schön deine Karre und schieb sie in die Aller. Er hatte meinen Aero über 1 Stunde mit kleinen Unterbrechungen in der Mangel gehabt. Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben und schließlich hat er das Fahrzeug doch abgenommen. Aber auch nur, weil mit ach und krach die erforderliche 40% Gesamtverzögerung erreicht wurde  und diese kam auch nur durch einen Trick zustande.

Ich hatte zu Hause heimlich ca. 80-100 kg Eisenteile in dem Kofferraum verstaut, damit sich der Reibungswiderstand auf den Rollen erhöht. Ich durfte mit meinen 75 kg Eigengewicht im Aero Platz nehmen, dann schoben der Prüfingenieur und vier seiner Kollegen den Aero in den Rollenprüfstand. Zwei Mann hielten den Aero vorne fest und zwei achteten hinten darauf, dass der Aero nicht aus dem Prüfstand sprang.

Da ich mein Auto bzw. meine Bremsen gut kannte, trat ich langsam auf die Bremse und als ich merkte, dass es kurz vor dem Ende ist, trat ich nochmals kräftig zu. Der Zeiger schlug hoch, die Beamten zur Seite und der Aero aus dem Rollenprüfstand. Nun nahm der Prüfingenieur seinen Rechenschieber zu Hand und berechnete die erbrachte Verzögerung, siehe da zufällig waren die erforderlichen 40% Verzögerung erreicht. Nun ging alles sehr schnell. Ein paar Stempel, eine Unterschrift und alles war klar.

Ich garantiere, wenn ich nur 39,8% Verzögerung gehabt hätte, wäre ich nicht durchgekommen.
Dies war nur ein kleiner Abriss meiner Schwierigkeiten mit der Vollabnahme.

Zuerst wollte ich nur ein paar Zeilen schreiben, aber nun ist es etwas mehr geworden.
Zur Bereicherung Ihres Archivs lege ich ein paar Fotos von meinem Aero 10 bei.

Viele Grüße, alles Gute

Adolf Hehn

 
 

 

Eine ,,Miltenberger“ Überraschung - Teil 1

Am ersten Septemberwochenende trafen sich die Freunde historischer AERO-Automobile zum 24. Internat. Markentreffen in Aschaffenburg. Nach dem Ende der Veranstaltung wollten wir Nordlichter aus der Harz und der Vorharzregion sowie aus dem Aller/Leinetal mit drei ca. 75 Jahre alten Automobilen noch eine Woche lang den Spessart erfahren Bei einem Besuch in Miltenberg haben wir dann eine böse Überraschung erlebt. Unsere Fahrzeuge hatten wir an der Uferpromenade des Mains abgestellt. Hier trafen wir auf ein uns unbekanntes Verkehrsschild, welches auf blauem Grund einen stilisierten Benzmotorwagen vom Typ Victoria darstellte.

    
Uns Oldtimerfreunden war dann sofort klar, dass die Stadt Miltenberg ein Herz für Oldtimer hat, denn für uns hatte dieses Schild gar keine andere Bedeutung. Hier stellten wir dann unsere Fahrzeuge ab.
 
Nach der Rückkehr von unserer Stadtbesichtigung und der Einnahme einer Mittagsmahlzeit erlebten wir dann eine große Überraschung, denn hinter den Scheibenwischern unserer Autos waren Hinweiszettel mit der Bitte angebracht, das Polizeirevier aufzusuchen. Hier wurden dann die drei Fahrzeuglenker von einer jungen dynamischen Polizistin empfangen, welche erklärte, das sie die Fahrzeuge hätte abschleppen lassen, wenn sie nicht mit Speichenrädern ausgerüstet gewesen wären. Von der jungen dynamischen Frau mussten sich die drei Fahrer dann erklären lassen, dass das aufgestellte Schild keinen Victoria-Wagen darstellt, sondern eine Pferdedroschke ist. Eindeutig ist es jedoch der Benz-Motorwagen, denn eine Kutsche müsste immerhin eine Deichsel und wenn es noch eindeutiger sein sollte, zumindest ein vorgespanntes Pferd beinhalten. Pferdedroschken haben wir in der Stadt auch nicht gesehen, sondern nur einen Plan- oder Plattwagen, wie er hier in der Lüneburger Heide zur Fahrt zum Wilseder Berg benutzt wird. Dieser war dann neben unseren Fahrzeugen abgestellt. Nach unserer Rückfrage bei einem Fahrlehrer, wurde uns mitgeteilt, dass dieses Verkehrsschild unbekannt und auch nicht gebräuchlich ist.

    

Die Stadtverwaltung sollte nach unserer Meinung dieses Verkehrsschild gegen ein verständlicheres Verkehrszeichen austauschen. Es werden sicherlich nicht sehr oft Oldtimer-Fahrzeuge in Miltenberg anlegen, aber Missverständnisse wären dann ausgeschlossen. Jedoch auch weniger Geld in der Kasse.

Helmut Brandt 

Eine ,,Miltenberger“ Überraschung - Teil 2


 

Der flotte ,,Aero“   -  oder eine Erzgebirgsfahrt mit Hindernissen

So mancher Graslitzer Bürger wird sich vielleicht noch schwach an die Automarke Aero erinnern können. (Anmerkung: Glaslitz (tschechisch: Kraslice) Musikstadt, (1945 ca. 20.000 Einwohner, heute ca. 4.000 Einwohner) liegt an der Grenze 2 km von Klingenthal (Vogtland) entfernt). In der Vorkriegszeit, so um 1937/38 herum hatte der Aufschwung in der Autoindustrie zwar schon eingesetzt, aber in unserer Heimatstadt gab es nur einen zögerlichen Start. Die damals vorherrschenden Autohersteller waren nur die Tatra-Fahrzeuge mit ihrer kantigen Motorhaube, gefolgt von den Autotypen der Skoda-Werke in einer etwas gefälligeren Karosserieform. Vereinzelt sah man den P4 von Opel und nicht zu vergessen die Fahrzeugtypen von DKW (Deutsche Auto-Union). Diese Benzinkutschen hatten das Aussehen, als wäre die Karosserie aus Presspappe gefertigt worden, dazu waren sie noch lautstarke Zweitaktstinker mit nur wenig Pferdestärken (PS).

Das erforderliche Tankstellennetz war nur sehr schwach ausgeprägt und die Drogerie Männer am Notsitzplatz verfügte über so ein Ungetüm von Pumpstation. Vor der Drogerie Biegel in der Rathausstraße stand ebenfalls so eine vorsintflutliche Zapfsäule, und nicht zu vergessen, bei der Reparaturwerkstätte Böhm bei der unteren Volksschule.


Mit einer Hebelmechanik wurde das noch etwas rare Benzin zunächst einmal in einen Glashochbehälter hochgepumpt und erst dann floss es über einen Gummischlauch in den Autotank. Es war eben noch eine etwas aufwendige und schweißtreibende Prozedur und die Benzinabgase konnte man noch sehr intensiv in weiter Entfernung wahrnehmen.

In den gehobenen Gesellschaftskreisen bediente man sich schon der Nobelmarken englischer und deutscher Hersteller. Auch die Kfz-Reparaturwerkstätten waren damals noch sehr dünn angesiedelt, es war eben der Beginn des
modernen Autozeitalters.

Mein Vater betrieb damals in der hinteren Hausberggasse ein Textilwarengeschäft mit einer beträchtlichen Anzahl von Heimarbeiterinnen aus dem Erzgebirgsbereich. Seine Geschäftsreisen führten ihn oftmals bis ins tiefste Erzgebirge.


Soweit ich mich noch erinnern kann, bin ich mit Automobilen großgeworden. Anfangs, als mein Vater finanziell etwas schwach auf der Brust war, fuhr er ein schweres Beiwagenmotorrad (Ardie 1900) und später eine BMW-Maschine. Aber eines Tages erfüllte er sich seinen Herzenswunsch und schaffte sich ein nicht gerade allzu leistungsstarkes Auto an — einen "Aero". Für die damalige Zeit war der Aero in seiner Formgebung schon ganz ansehnlich, aber aufgrund der fehlenden PS-Zahlen war es nicht besonders durchzugsstark.

Meinem ewigen Spieltrieb folgend, unterlief mir eines Tages ein kleines Missgeschick, und nach einer unbeaufsichtigten Berührung des Kickstarters fuhr ich mit Elan in das Gartentor unseres Nachbarn (Kohlenhandlung Schossee). Mein Vater erstarrte fast zur Salzsäule und als er dann nach einer Verschnaufpause den von mir angerichteten Schaden besichtigte, schossen ihm bestimmt einige Tränen des Kummers in die Augen. Meine Mutter konnte damals noch in letzter Minute eine saftige Abreibung verhindern, aber mein Vater hat mich für eine lange Zeit mit Nichtachtung gestraft.


An einem schönen Frühsommertag war eine Geschäftsreise ins nahe gelegene Erzgebirge vorgesehen. Viel Platz war im Auto nicht vorhanden, also wurde ich zwischen die Stoffballen verfrachtet. Meine Mutter war dieses Mal auch mit von der Partie und mit diesem zusätzlichen Gewicht war der flotte Aero ganz schön überlastet.


Auf ebenen Strecken war der Aero ein strammer Marschierer, aber der stetige Anstieg im Erzgebirge war für den Burschen kein Honiglecken und bei einer Steigung vor der Stadt Weipert ging ihm die Schnaufe aus. Mein Vater versuchte es mit allen nur möglichen Tricks, aber er auch mit dem Rückwärtsgang blieb es nur beim ,,Wollen“. Die einzige vernünftige Lösung war nun das Abladen und so wurde alles störende Übergewicht ausgeladen. Die Straßensteigung war Gott sei Dank nur eine kurze Strecke,. aber trotzdem kam die ganze Familie beim Weitertransport der Zuladung ganz gehörig ins Schwitzen. Unter. Aufbietung aller Kräfte hatten wir dann endlich den schwierigen Teil geschafft!


Meine Mutter hatte zwar keinen Führerschein, aber sie war des Chauffierens nicht ganz unkundig und so wurde sie auf den Fahrersitz verfrachtet. Nach einem kurzen Anlauf und mit unserer noch vorhandenen Schubkraft begann das Wagnis. Wir kamen zügig bergauf voran und unter Zurücklassung einer Menge Schweißtropfen erreichten wir endlich die heißersehnte Straßenkuppe. In der Hitze des Gefechts hatte bei meiner Mutter die Konzentration etwas nachgelassen und so verwechselte sie das Brems- mit dem Gaspedal. Dies blieb nicht ohne Folgen und so zuckelte der sichtlich geschwächte Aero seitlich in einen nicht besonders tiefen Straßengraben. Dieser unvorhergesehene Vorfall hatte meinen Vater ganz schön in Rage gebracht und die sich anschließende Strafpredigt war nicht von schlechten Eltern. Als ich dann noch etwas vorlaut herumstänkerte und mit Nachdruck auf das leistungsstarke Auto unseres Nachbarn Maier (Kolonialwarenhändler, Schneider und Jäger) anspielte, hat mein Vater vollends die Beherrschung verloren und ich bekam urplötzlich einen Satz saftige Watschn verabreicht.


Durch dieses "Luftablassen“ war der anfängliche Zorn meines Vaters schnell verflogen und er bekam wieder Oberwasser. Sichtlich gestärkt lobte mein Vater auf einmal lauthals die Fahrkünste seiner Ehefrau wahrscheinlich als Vergeltung für ihre fortwährenden Unterweisungen bzw. Belehrungen hinsichtlich seines Fahrstils. Das weibliche Geschlecht hat eben die Angewohnheit, den Männern immer wieder zu offenbaren, dass sie doch die besseren Autolenker sind!

Mein Vater hat hieraus seine Lehre gezogen und auch nach Jahrzehnten hat er beim Neukauf eines Automobils immer streng darauf geachtet, dass der fahrbare Untersatz nicht untermotorisiert war.
 

Arno Strasnitzky, 87437 Kempten

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