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Die großen Expeditionen von Herrn František Alexander Elstner mit Aero 
(Autor: Reinhard Bauer)

 

Möglicherweise beeindruckt von den Tureks Nachweisen der Langstrecken-Zuverlässigkeit startete ab 1932 der Lehrer und Motorjournalist František Alexander Elstner mit einer Serie von Expeditionsfahrten, die viel Resonanz in den Zeitungen und Filmwochenschauen fanden.

1932: Expedition nach Albanien
Die Route führte über 3353 km von Prag über Österreich und weiter über gefürchtete dalmatinische Passstraßen nach Albanien und in großem Bogen wieder zurück nach Prag. Der benutzte Aero 500 wurde mit insgesamt 250 kg belastet !!! (= 3 Personen: F.A. Elstner + Gattin + Student Zidlicky als zahlender Passagier + Gepäck)

1932: Erste SPEXOR-(Sportovnì Plzenska EXpedice ORientem)-Expedition
Der Abenteurer Mag. Jaroslav Doubek aus Pilsen organisiert eine Langstreckenfahrt mit zwei Tatra 52 Sport (2L-Vierzylinder) von Prag nach Marseille, dann weiter auf der afrikanischen Seite rund um das Mittelmeer durch Anatolien wieder zurück nach Prag. 13.500 km in 38 Tagen. Die zweite SPEXOR Expedition wurde mit Aero Fahrzeugen gefahren.

1933: Aero-SPEXOR-Expedition
Am 11.Feb.1933 startet in Pilsen ein Team aus drei A 662, jeder in einer der drei Tschechoslowakischen Nationalfarben „Weiss/Blau/Rot“ lackiert, zu einer 13.500 km Langstreckenfahrt über Italien, von dort über Sizilien, und per Schiff nach Lybien, weiter über Tripolis nach Misurata, Bu Ngem, Hon, Sbha bis zum südlichsten Punkt in Murzuk, von dort zurück nach Tripolis und weiter durch Tunesien, Algerien durch die Wüste Marokkos und nach Casablanca und Marrakesch und zurück nach Gibraltar und über Spanien, Frankreich wieder retour nach Pilsen und Prag.
 

Foto: Archiv ACC Praha  
Abb. 1: F. A. Elstner mit Frau Eva im Aero 662 von 1933


Abb. 2: Route der SPEXOR Expedition von 1933

 Foto: Archiv ACC Praha  
Abb. 3: Rückkehr der Aero SPEXOR-Teilnehmer in Prag

1934: Expedition des „Blaues Teams“ nach Afrika
Ziel der Unternehmung war, den Sensationswert der Expeditionsfahrten noch zu steigern, und zwar durch 3 Damenteams in Begleitung von einem Männerteam in einem Serviceauto.

Anmerkung: Trotz Ausnahmeerscheinungen wie der deutschen Rennfahrerin Clärenore Stinnes (1901-1990), die bis 1927 bereits 17 Rennsiege eingefahren hatte und von 1927 bis 1929 auf einem serienmäßigen Adler Standard 6 die Welt umrundete, oder Eliska Junkova (1900 -1994), die 1927 auf Bugatti zusammen mit ihrem Mann beim Großen Preis von Deutschland den 4. Platz belegte, waren in dieser Zeit Damen am Steuer die absolute Ausnahme)

Am 24.Feb 1934 verließen drei Damenteams und das Servicefahrzeug mit dem expeditions-erfahrenen F.A. Elstner und dem Mechaniker Ing. Ada Kavalier, alle in blau lackierten Aero 1000  Prag in Richtung Italien. Von dort ging es nach Sizilien, dann per Schiff nach italienisch Lybien, dort nach Süden bis tief in die Sahara, dann zurück und weiter über französisch Algerien nach Marokko bis ins südliche Marrakesch. Retour ging es über  Casablanca und Tanger bis nach Ceuta, wo man das Schiff nach Gibraltar nahm. Über Madrid, Paris und quer durch Deutschland erreichte man nach 40 Tagen und 14.000 km wieder Prag. Die gesamte Expeditionsreise war eine perfekt organisierte Marketingaktion. Die Teilnehmer telegrafierten wo immer Reportagen an Zeitungen. An den Etappenorten wurden offizielle Empfänge organisiert, die unterstützenden Firmen schalteten Reklame. FOX tönende Wochenschau und die UFA brachten laufend Filmberichte ins Kino.  

Foto: Archiv ACC Praha
Abb. 4: Die drei Damenteams und ein Herrenteam im Servicefahrzeug bildeten das blaue Team

 Foto: Archiv P.Paul
Abb. 5:  Eine der bekanntesten Rennfahrerinnen jener Zeit, Eliska Junkova (Elisabeth Junek), verabschiedete das blaue Team.

  Foto: David Sedlàk DS Foto
Abb. 6: Ein Aero 1000, so wie er 1934 vom „blauen Team“ eingesetzt wurde.

(Hinweis der Redaktion: Einen Artikel über die Afrika-Expedition des "blauen Teams" findet man in der Galerie 14 oder hier klicken!)

1934: Mit dem Aero 1000 bis nach Indien
Im Mai starten Rudolf Navara und Ing. Bohumil Holas mit einem Aero 1000 zu einer 19.000 km langen Reise von Prag über Bulgarien, die Türkei, den Irak, Iran bis nach Kabul, wo sie am 24. Juni 1934 ankamen und nach zahllosen Abenteuern und Pannen am 10. August 1934 wieder nach Prag zurückkehrten. Erwähnenswert ist, dass es sich bei dem eingesetzten Aero 1000 um das „Servicefahrzeug“ des „Blauen Teams“ handelte, das bereits 14.000 Expeditionskilometer hinter sich gebracht hatte. Aber wegen des speziellen Aufbaus mit integriertem Werkzeugkasten griff man dennoch darauf zurück. Da auch damals bereits das Sponsoring von Motorsport ein Thema war, stand die Expedition unter dem Motto „Mit dem MOGUL-Motoröl ins Reich des Moguls“.

Übrigens: Auch ein Skoda-Team fuhr im gleichen Jahr mit vier „Popular“ nach Indien und retour. 

Fotos: Archiv ACC Praha
Abb. 7 a+b+c: Rudolf Navara und Ing.
Bohumil Holas mit ihrem Aero 1000 nach der Rückkehr in Prag

1934: Langstreckentest mit dem Aero 30
Am 22. August startet F.A. Elstner mit einem der ersten A 30 (Prod.Nr. 17) und insgesamt 5 Personen Besatzung von Prag nach Amsterdam, von dort via Newcastle nach Schottland zum Loch Ness. Die Fahrt wurde anlässlich des Aero Europatreffens 2007 von einer Gruppe tschechischer Aero Enthusiasten wiederholt und erfolgreich absolviert.  
(Hinweis der Redaktion: Den Reisebericht von Eva Boubelová  und Josef Knourek zur Schottlandfahrt 2007 findet man in der Galerie 6 oder hier klicken!)

1936:  Mit dem Aero 30 in 7 Tagen durch 11 Länder 
7.200 km in nur einer Woche „rasten“ Mila Polàk und Lida Ondrovà auf einem durch elf Länder – durchschnittlich mehr als 1000 km am Tag – wie 1932 Bohumil Turek mit seinen kleinen Aero 662

In den Folgejahren konnten derartige Expeditionen einerseits wegen der Übersättigung mit Expeditionsberichten, andererseits wegen der steigenden politischen Spannungen im Vorfeld des zweiten Weltkriegs nicht mehr durchgeführt werden.

 

Zur Person des Herrn František Alexander Elstner  (Quelle Aerovkar)

Am 8. September 1974 starb im Alter von 72 Jahren der große Weltreisende und Propagandist des tschechoslowakischen Motorismus František Alexander Elstner.

Am 11. April 1902 wurde F: A: Elstner in Prag geboren. Mit einer Unterbrechung von 1 Jahr absolvierte er das Realgymnasium, wo er im Jahre 1921 maturierte. Das Studium an der Juristischen und Philosophischen Fakultät der Karlsuniversität hat er nicht beendet. Dafür absolvierte er in den Jahren 1923-1924 einen pädagogischen Abiturientenkurs und lehrte dann an Fachschulen in Brandýs nad Labem (bis 1934) und in Mladá Boleslav. In den Jahren 1936-1941 war er als Referent der Automobilfabrik in Mladá Boleslav angestellt. Nachher war er als Schriftsteller und Berufspublizist tätig.

2011 ist diese interessante Briefmarke in Tschechien erschienen. 
Darauf ist Herr F. A. Elstner und im Hintergrund sein Aero zu sehen.

 

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